Corona und die Sfakia

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roland
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Corona und die Sfakia

Beitrag von roland »

Das Forum wird ja nicht grad wahnsinnig oft besucht zur Zeit - weiss jemand von euch, wie es den Menschen in der Sfakia geht? Ich habe vor eine Woche mit dem Bäcker Giannis Orfanoudakis in Anopoli telefoniert - er war verständlicherweise extrem aufgebracht über den Lockdown, hat aber vor lauter Zorn und Frustration nicht viel Informatives sagen können. Ich hätte bzw. habe einen Flug gebucht für den Mai - wollte drei Wochen in Anopoli verbringen. Damit wird jetzt aber nichts... Was machen all die Menschen dort, die vom Tourismus leben??? Ich kann mir nicht vorstellen, dass der griechische Staat in der Lage ist, ihnen rasch finanzielle Hilfe zu bieten...

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admin
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Re: Corona und die Sfakia

Beitrag von admin »

Hallo Roland,

ich denke, das sieht ähnlich schlecht bzw. noch schlechter aus in Griechenland wie für kleine Unternehmer oder Selbstständige hierzulande. Wenn es Hilfsgelder gibt, werden die woanders hängen bleiben. Aber die Frage ist auch: Welche Alternativen gibt es und wer soll diese verantworten - in einer Situation, in der man wenig weiß und sich viele, die noch weniger wissen, lautstark zu Wort melden? Und, so bitter es auch klingen mag: Welche Lehren zieht man für die Zukunft?

Viele Grüße
Simon

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MichPaule
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Re: Corona und die Sfakia

Beitrag von MichPaule »

Hallo zusammen,

für alle vom Tourismus Lebenden auf Kreta ist die aktuelle Lage mit Corona natürlich katastrophal, weil die Einnahmen komplett wegbrechen.
Alle anderen leben im Wesentlichen weiter wie bisher und versuchen sich mit der Situation zu arrangieren.
Viele Familien leben ja nicht ausschließlich vom Tourismus, sondern haben ihre "normale" Arbeit.
Von unseren guten Freunden und Ex-Nachbarn in Anopoli weiß ich, dass sie die Lage als weniger schlimm im Vergleich zum letztjährigen Winter empfinden.
Auf Hilfsgelder hofft dort niemand. :(
Aber glücklicherweise funktioniert die Gemeinschaft in den Dörfern meist noch so gut, dass man sich gegenseitig aushilft.
Unseren Aufenthalt im Juni sehe ich inzwischen auch als sehr unwahrscheinlich an, aber ich würde mich über eine positive Überraschung sehr freuen.
Viele Grüße und bleibt gesund

Michael

roland
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Re: Corona und die Sfakia

Beitrag von roland »

Hallo, Simon und Mich - ja, ich hoffe auch, dass sich die Sfakioten gegenseitig irgendwie zu helfen versuchen, zumal von aussen sicher nichts zu hoffen ist in Sachen Unterstützung. Schöne Scheisse aber so oder so für die Leute dort.
Ich hoffe, dass wir uns aber doch in absehbarer Zeit wieder mal sehen bzw. überhaupt erst mal sehen - dort! Ich bin total privilegiert; die sozialen Restriktionen tangieren mich, jedenfalls was das Outdoor-Segment angeht, wenig bis gar nicht, ich bin fast dauernd unterwegs von zuhause aus direkt in die Berge, um nicht wahnsinnig zu werden, sei es per hike and fly oder auf Skitouren. Liebe Grüsse euch - bleibt gesund! Liebe Grüsse aus der Schweiz

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admin
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Re: Corona und die Sfakia

Beitrag von admin »

Hallo Roland,

ich bin bzw. wir sind auch sehr privilegiert durch die Arbeit im Öffentlichen Bereich (Uni). Das ist mir auch vollkommen klar.
Ich hoffe auch, dass der ganze "Spuk" in absehbarer Zeit ein Ende hat - auch wenn ich natürlich weiss, dass es so nicht sein kann und wird. Letzten Endes ist das Ganze eben auf die gnadenlose Ausbeutung der Natur zurückzuführen.

Ich hoffe auch, dass wir uns bald einmal persönlich treffen. Wir sind, wenn das möglich wird, ab Mitte/Ende Juni in den West-Alpen unterwegs. Kreta dann vielleicht im Herbst!

Viele Grüße
Simon

kokkinos vrachos
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Re: Corona und die Sfakia

Beitrag von kokkinos vrachos »

Moin und Kalimera, der Bürgermeister der Gemeinde Sfakia hat sich bereits an die Öffentlichkeit gewandt:
„Vereinzelt laufen hier Urlauber rum, die in Kontakt mit uns Griechen kommen wollen und uns auf der Strasse ansprechen. Warum gilt für sie die 14 tägige Quarantäne anscheinend nicht? Wir Kreter halten das für unverantwortlich“.
admin hat geschrieben:
2. April 2020, 07:02
Letzten Endes ist das Ganze eben auf die gnadenlose Ausbeutung der Natur zurückzuführen.
absolut richtig Simon. Die Vogel- und Schweinegrippe, von SARS bis Ebola, alle haben ihren Ursprung im Zentrum der kapitalistischen Produktion. Alle Viren/Epidemien haben ihren Ursprung in der Landwirtschaft/Agrarwirtschaft und in der Massentierhaltung. Hier muss sofort gehandelt werden.

Aktuell ist der Militäretat in Deutschland dreimal so hoch wie der im Bundeshaushalt vorgesehene Etat für Gesundheit. Es muss in eine flächendeckende Gesundheitsversorgung für alle investiert werden.

kaló mína und bleibt gesund, kv
„Ich hoffe nichts, ich fürchte nichts, ich bin frei.“
Nikos Kazantzakis

kiki
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Re: Corona und die Sfakia

Beitrag von kiki »

Hallo zusammen ,

kann mir bitte jemand näher und ausführlicher den Zusammenhang zwischen Corona Virus und Ausbeutung der Natur erklären , der oben angesprochen wurde ? Kein Witz und keine Provokation, es interessiert mich einfach , wie ihr es erkärt.
Danke und

Gruss Sabine

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admin
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Re: Corona und die Sfakia

Beitrag von admin »

Hallo Sabine,

ein Artikel, der ganz gut beschreibt, was ich meine, findest du hier:
https://www.tagesspiegel.de/politik/art ... 76216.html
Man muss nicht zustimmen, aber kann diskutieren - und vor allem sind es keine kruden Verschwörungstheorien...

Viele Grüße
Simon

kokkinos vrachos
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Re: Corona und die Sfakia

Beitrag von kokkinos vrachos »

kiki hat geschrieben:
6. April 2020, 19:32
Hallo zusammen ,

kann mir bitte jemand näher und ausführlicher den Zusammenhang zwischen Corona Virus und Ausbeutung der Natur erklären , der oben angesprochen wurde ? Kein Witz und keine Provokation, es interessiert mich einfach , wie ihr es erkärt.
Danke und

Gruss Sabine
Moin Sabine, es ist inzwischen bekannt, dass der Ausgangspunkt von Viren und Pandemien der letzten Jahre, in der industriellen Massentierhaltung und der industriellen Agrarlandwirtschaft liegen.
Ich hab mich da auf den Biologen Robert G. Wallace und sein Buch Big Farms Make Big Flu: Dispatches on Influenza, Agribusiness, and the Nature of Science und auf das Buch Vogelgrippe – Zur gesellschaftlichen Produktion von Epidemien von Mike Davis bezogen.

Ta Leme, kv
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kiki
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Re: Corona und die Sfakia

Beitrag von kiki »

Danke schön Simon, ein interessanter Artikel!

HelgaMariam
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Re: Corona und die Sfakia

Beitrag von HelgaMariam »

Hallo zusammen,
Ich hatte geplant, 13.-20 März den E4 von Paleochora nach Sfakia zu gehen. Das war keine gute Idee. Ich bin am 13 sehr früh von München geflogen, mittags kam der lockdown bei uns in Österreich. In Griechenland kam er in der Nacht vom 13.auf den 14. Am 14 in der Früh runter nach Paleochora, von da an war ich allein. Ich habe unterwegs keinen einzigen Menschen getroffen. Der Pfad an den kritischen Stellen zwischen Tripiti und Dolmata und oberhalb Agia Roumeli ist übrigens in einem üblen Zustand. Zum Essen gab es nix, ohne meine Datteln hatte ich echt ein Problem bekommen, was die Kräfte betrifft. Ich habe mir den ehestmöglichen Rückflug organisiert, die Familie von der Taverne in Anopoli hat mich in lykos abgeholt und nach Chania gebracht.
Die Leute, mit denen ich in Lykos und Anopoli kurz reden konnte, waren alle sehr gefasst und auch entschlossen, den lockdown durchzuziehen, für die Gesundheit ihrer Familien und der ganzen Dorfgemeinschaft.
Die Hochebene von Anopoli zeigte sich in ihrem schönsten Frühlingskleid und so sehe ich sie immer wieder in Gedanken vor mir.
Lg Helga

kokkinos vrachos
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Re: Corona und die Sfakia

Beitrag von kokkinos vrachos »

Moin und Kalispera Helga, interessante Rückmeldung von dir. Das ist bestimmt eine interessante Erfahrung, auf der gesamten E4-Strecke keinen anderen Wanderer begegnet zu sein. So konntest du die schöne Natur und die Strände ohne Menschen genießen. Vielleicht bis du die Einzige, die den E4 von Paleochora nach Chora Sfakion während der Ausgangssperre gewandert ist. Das wichtigste ist doch, dass du den E4 gut überstanden hast.

bleib gesund, kv
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kokkinos vrachos
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Re: Corona und die Sfakia

Beitrag von kokkinos vrachos »

admin hat geschrieben:
6. April 2020, 19:39
Hallo Sabine,

ein Artikel, der ganz gut beschreibt, was ich meine, findest du hier:
https://www.tagesspiegel.de/politik/art ... 76216.html
Man muss nicht zustimmen, aber kann diskutieren - und vor allem sind es keine kruden Verschwörungstheorien...

Viele Grüße
Simon
Moin und Kalispera, gestern ist noch ein Artikel im Tagesspiegel erschienen:
Nicht das erste Virus, das überspringt
Drei dramatische Beispiele von Krankheiten, die von Tieren kamen

Covid-19 erscheint uns wie eine singuläre Situation. Doch das Muster ist lange bekannt. Aus einem seltenen Ereignis wird eine unkontrollierbare Infektionskette.

https://www.tagesspiegel.de/wissen/nich ... 52802.html

vg, kv
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kokkinos vrachos
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Re: Corona und die Sfakia

Beitrag von kokkinos vrachos »

roland hat geschrieben:
30. März 2020, 13:34
Das Forum wird ja nicht grad wahnsinnig oft besucht zur Zeit - weiss jemand von euch, wie es den Menschen in der Sfakia geht? Ich habe vor eine Woche mit dem Bäcker Giannis Orfanoudakis in Anopoli telefoniert - er war verständlicherweise extrem aufgebracht über den Lockdown, hat aber vor lauter Zorn und Frustration nicht viel Informatives sagen können.
Moin und Kalispera, zurück zu der Ausgangsfrage. Bis jetzt ist kein Corana-Fall in der Sfakia bekannt oder aufgetreten. Sehr erfreulich ist auch, dass es auf Kreta seit vielen Tagen keinen weiterer Corona-Fall mehr gibt. Aktuell immer noch 21.

Dienstag, 21. April 2020:
Herr Christodoulakis vom Verband kretischer Hoteliers meint, anstatt ihren Urlaub abzusagen, übertragen Touristen, die Kreta für einen Urlaub ausgewählt haben, einfach das Datum ihrer Reservierung für den Zeitraum, in dem die Touristensaison beginnt. Kreta ist derzeit aufgrund der geringen Anzahl von Coronafällen eines der sichersten Reiseziele in Europa für Sommerferien.
Gleichzeitig äußerte seine Besorgnis über die bisherige rechtliche Lücke in Bezug auf den Versicherungsschutz von Reisenden für den Fall, dass sie an Coronavirus erkranken.

Montag, 20. April 2020:
Nikos Chalkiadakis, Präsident der Hoteliers Association der Präfektur Iraklion, sagte, dass die Hotels auf Kreta erwägen dieses Jahr überhaupt nicht zu öffnen, da ein Beginn der Saison im August oder September zu spät sein wird. Der Bürgermeister von Chersonissos, Giannis Segkos, sagt, dass viele Hoteliers denken daran, ihre Hotels dieses Jahr nicht zu eröffnen und auch im nächsten Jahr könnte es noch Probleme geben.

Sonntag, 19. April 2020:
Am Ostersonntag wurden auf Kreta zwei Motorradfahrer, die nicht bei den Verkehrskontrollen an den Kreuzungen nach Elounda und auch Kritsa vor Agios Nikolaos angehalten hatten, nach einer Verfolgungsfahrt von der Lassithi-Polizei festgenommen. Die Geldstrafe wird 1000 Euro für jeden Fahrer übersteigen.
Insgesamt 8 Personen wurden in einem Gebiet außerhalb ihres Wohnortes vorgefunden und mit einer Geldstrafe von 300 Euro belegt. Gestern war die entsprechende Anzahl fünf. Die Anzahl der Verstöße wegen unnötiger Reisen auf der Insel hat sich jedoch verringert.

https://kretatipp.de/kreta-tagelang-ohne-corona-faelle/

bleibt gesund und schöne Abend noch, kv
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Nikos Kazantzakis

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Re: Corona und die Sfakia

Beitrag von admin »

Hallo zusammen,

eigentlich ist das alles nicht ganz so überraschend. "Man" ist seit langem dabei, die Natur weiter und weiter zurückzudrängen. Wenn man dann noch unkontrolliert beliebige Wildtiere untereinander, mit Nutztieren und mit dem Menschen auf engstem Raum zusammenbringt, dann erhöht sich eben die Gefahr, dass vorhandene Viren überspringen. Gleiches gilt, wenn man unkontrolliert Bush Meat "konsumiert" (was kein Vorwurf an diejenigen sein soll, die das tun(müssen)).
Irgendwie ist mir nicht so klar, warum das offenbar nur die wenigsten verstehen. Es geht letzten Endes nicht darum, ob wir jetzt ein paar Wochen eingeschränkt sind oder nicht. Es geht darum, dass viele ganz grundsätzlich ihre Einstellung nicht nur überdenken, sondern auch dementsprechend handeln.
Ja, zugegeben, das ist vereinfacht ausgedrückt...

Viele Grüße
Simon

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